Online-Broker: Test von Konditionen, Angebot und Service

Online-Broker: Test von Konditionen, Angebot und Service

Die Inflation liegt in Österreich derzeit bei rund 2% – und damit weit über den momentanen Tages- und Festgeldzinsen. Wer der Wertminderung seines Ersparten nicht tatenlos zusehen möchte, kann im Kauf von Wertpapieren eine Alternative finden. Online-Broker bieten hierfür günstige Konditionen und die Möglichkeit, rund um die Uhr bequem von der heimischen Couch aus zu handeln. Welcher Online-Broker dabei die beste Mischung aus Konditionen, Angebot und Service bietet, hat die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien nun wiederholt in Kooperation mit dem Magazin trend untersucht.

Folgende neun Online-Broker wurden in die Tests eingeschlossen:

  • bankdirekt.at
  • BANX
  • boerse-live.at
  • DADAT
  • DEGIRO
  • easybank
  • flatex
  • Generali Bank
  • Hello bank!

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Broker in den folgenden fünf Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  1. Konditionen: Wie viel kostet die Depotführung? Wie hoch sind die Gebühren beim Kauf von Aktien und Anleihen sowie beim außerbörslichen Handel? Welche Ausgabeaufschläge beim Fondskauf müssen bezahlt werden? Welchen sonstigen Kosten fallen an? (40% des Gesamtwertes)
  2. Angebotsbreite: Welche Produkte können an welchen Börsenplätzen gehandelt werden? (10% des Gesamtgewichts)
  3. Komfort: Welche Informationen und Trading-Möglichkeiten bieten Website und Software? Welche Möglichkeiten für mobiles Handeln werden geboten? (20% des Gesamtgewichts)
  4. Transparenz: Sind die wichtigsten Kosten und Bedingungen klar ersichtlich? (10% des Gesamtgewichts)
  5. Kundendienst: Wie gut ist der Anbieter für den Kunden erreichbar? Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt? Ist die Beratung umfassend und kompetent? (20% des Gesamtgewichts)

Die Leistungen in den Kategorien Konditionen, Angebotsbreite sowie Komfort und Transparenz wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 5-mal per Email und 5-mal telefonisch getestet.

Deutliche Unterschiede bei Depot- und Ordergebühren

Wer auf der Suche nach dem günstigsten Anbieter ist, kommt nicht umhin, sich im Vorfeld Gedanken über sein eigenes Anlageverhalten zu machen. So sollten Anleger, die nur wenige Positionen im Depot haben und diese lange halten, v.a. auf die Depotgebühren achten. Diese betrugen bei den getesteten Online-Brokern für einen beispielhaften Bestand von vier Positionen mit einem Gesamtwert von 20.000 € zwischen 0 € und 60 € im Jahr. Konkret boten drei der Broker (BANX, DEGIRO und flatex) ihr Depot kostenfrei an, bei allen anderen musste in Abhängigkeit vom Depotwert gezahlt werden.

Wer hingegen häufig seine Positionen wechselt und z.B. in regelmäßigen Abständen Aktien kauft und verkauft, sollte sein Hauptaugenmerk auf die Ordergebühren richten, denn diese unterschieden sich zum Teil erheblich: Beim günstigsten Anbieter DEGIRO fielen z.B. für eine Aktienorder im Wert von 5.000 € an der Wiener Börse nur 3 € Gebühren an, beim teuersten Anbieter im Test, der Generali Bank, hingegen mehr als das Siebenfache, d.h. 22,92 €. Bei Käufen an ausländischen Börsenplätzen und mit höheren Volumina wurden diese Unterschiede noch deutlicher. Beispielsweise reichte die Orderprovision für ein 25.000 €-Investment an der New Yorker NYSE von 1,65 € (DEGIRO) bis hin zu 62,50 € (Generali Bank).

Auch beim Kauf von Aktienfonds zeigten sich Unterschiede in den Konditionen. Einige Broker gewährten auf eine sehr große Auswahl an Fonds 50-60% Rabatt, auf Fonds weniger ausgewählter Fondsgesellschaften oder bei hohen Ordervolumina gerne auch mal mehr. Bei anderen Anbietern hingegen war der volle, originäre Aufschlag der Fondsgesellschaft zu zahlen.

Wer häufig kurzfristig handelt und auf aktuelle Kurse angewiesen ist, sollte auch die Kosten für Realtimekurse verschiedener Börsenplätze im Auge haben. Diese wurden von sieben der neun untersuchten Anbieter angeboten und variierten im Preis z.B. zwischen 9,90 € und 31,66 € im Monat für die Kurse der XETRA Frankfurt. Echtzeitkurse der Wiener Börse wurden teils sogar kostenlos zur Verfügung gestellt (DADAT, DEGIRO und Hello bank!), bei anderen fielen hierfür Kosten von bis zu 15,64 € monatlich (flatex) an. Die günstigsten Konditionen in Summe bot DEGIRO.

Angebotsbreite und Trading-Komfort teils mit Einschränkungen

Während Aktien, Anleihen, Optionsscheine, ETFs und Zertifikate über fast jeden Broker handelbar waren, unterschied sich die Angebotsbreite bei risikoreicheren Anlageformen stark. CFDs waren beispielsweise nur bei den Spezialisten BANX, DEGIRO und flatex sowie der Hello bank! handelbar, dafür boten BANX und DEGIRO jedoch keinen außerbörslichen Handel an. Auch das Angebot an Sparplänen war bei einigen Online-Brokern stark eingeschränkt: Die bankdirekt.at, die easybank, flatex und die Generali Bank stellten beispielsweise nur einen Sparplan mit Fonds zur Verfügung, bei BANX und DEGIRO fehlte diese regelmäßige Anlageform gänzlich. Die Hello bank! punktete letztlich mit der größten Angebotsvielfalt.

Erstaunt waren die Tester, dass zwei der untersuchten Anbieter über keine geeignete App verfügten, die die Möglichkeit bot, vom Smartphone oder Tablet aus auf das Depot zugreifen und handeln zu können. Und auch hinsichtlich der Trading-Optionen am PC offenbarten einige Broker Schwächen: Teils fehlten z.B. grundlegende Chartanalysen oder bestimmte Orderzusätze. Wer auf solche Aspekte bei der Auswahl seines Brokers Wert legt, hatte jedoch nur bei fünf der getesteten Anbieter die Möglichkeit, dies vorab in einem Demoportal  zu testen. Bei drei weiteren Dienstleistern standen immerhin Videotutorials oder ein Webinar mit praktischen Veranschaulichungen des Online-Bankings bzw. der Trading-Software zur Verfügung.  Den besten Komfort mit umfangreichen Trading-Möglichkeiten auch über Apps und eine mobile Website bot die Hello bank!.

In puncto Transparenz wurde positiv gewertet, dass bei fast allen Online-Brokern die wichtigsten Konditionen wie Depotführungsgebühren oder nationale Ordergebühren für die handelbaren Wertpapiere ohne Studium des Preis- und Leistungsverzeichnisses ersichtlich waren. Bezüglich des Handels an ausländischen Börsenplätzen oder bei der Suche nach Kosten für Realtimekurse oder Ausgabeaufschläge musste allerdings häufiger das „Kleingedruckte“ konsultiert werden. Mit der besten Transparenz im Test konnte die easybank überzeugen.

Online-Broker punkten mit kompetentem und freundlichen Kundendienst

Da das Vier-Augen-Gespräch mit dem persönlichen Anlageberater im Geschäftsmodell der Online-Broker nicht vorgesehen ist, kommt dem Kundendienst eine zentrale Rolle zu. Dieser wurde im Test mit Anfragen zu Themen wie Konditionen, speziellen Orderfunktionen, Wertpapierarten, Depotwechsel und Steuern auf die Probe gestellt. Der telefonische Kundendienst konnte meist überzeugen: Das Gros der Anbieter war werktags zwischen 10 und 15 Stunden erreichbar, einige sogar am Wochenende. Die Mitarbeiter präsentierten sich meist freundlich und kompetent. Allerdings fielen die Antworten des Öfteren recht knapp aus und hätten ein wenig ausführlicher erläutert sein können, damit auch Laien alle nötigen Informationen erhalten. Der Broker BANX konnte während des vierwöchigen Testzeitraums gar nicht telefonisch erreicht werden – hier blieb nur die Kontaktaufnahme mit dem Email-Support, der zumindest stets innerhalb von 24 Stunden antwortete.

Auch die weiteren getesteten Anbieter antworteten auf Anfragen per Email stets zuverlässig, in 77% der Tests sogar innerhalb von 24 Stunden. Ähnlich wie an der Hotline waren die Antworten auch auf diesem Kontaktweg meist freundlich und größtenteils korrekt, jedoch war auch hier wieder der Umfang bei einem Fünftel der Mails zu bemängeln. Statt zielführender Erläuterungen enthielten viele Antworten überflüssige Standardtextbausteine, die mit dem Anfragethema, wenn überhaupt, eher zufällig zu tun hatten. Den Sieg in der Teilkategorie Kundendienst konnte sich die neu auf dem Markt befindliche DADAT sichern.

flatex Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von DADAT und DEGIRO

Der Anbieter flatex erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der neuen österreichischen Direktbank DADAT und DEGIRO. flatex konnte mit einem ausgewogenen Gesamtpaket aus günstigen Konditionen, breitem Angebot und hohem Komfort überzeugen. Die Zweitplatzierte DADAT bot neben einer transparenten Website und den höchsten Rabatten beim Fondskauf auch die beste Beratung. Wem ausschließlich günstige Preise im Aktienhandel wichtig sind, der sei an DEGIRO verwiesen. Hier konnten die Tester die mit Abstand günstigsten Ordergebühren beobachten. Allerdings muss der Kunde bei DEGIRO Abstriche in Sachen Komfort und Angebotsvielfalt hinnehmen. Ein außerbörslicher Handel war z.B. nicht möglich. Zudem zählte DEGIRO zusammen mit BANX zu den beiden einzigen Anbietern im Feld, die das Abführen der Kapitalertragsteuer dem Kunden überließen, dies also nicht wie alle anderen automatisch miterledigten.

Ergebnisse einzelne Testkategorien

Die Ergebnisse der einzelnen Testkategorien des Tests finden Sie hier. Es werden jeweils die Top-3 Anbieter in der jeweiligen Testkategorie aufgezeigt.

Konditionen

 AnbieterZielerreichungInfo
1DEGIRO87,9%1,8 | Gut
2BANX86,1%1,9 | Gut
3flatex82,4%2,2 | Gut

Angebotsbreite

 AnbieterZielerreichungInfo
1Hello Bank!86,7%1,9 | Gut
2flatex86,6%1,9 | Gut
3BANX82,8%2,1 | Gut

Komfort

 AnbieterZielerreichungInfo
1Hello Bank!91,9%1,5 | Gut
2boerse-live.at90,2%1,7 | Gut
3bankdirekt.at90,2%1,7 | Gut

Transparenz

 AnbieterZielerreichungInfo
1easybank100,0%1,0 | Sehr Gut
2Generali Bank98,6%1,1 | Sehr Gut
3DADAT91,0%1,6 | Gut

Kundendienst

 AnbieterZielerreichungInfo
1DADAT94,4%1,4 | Sehr Gut
2bankdirekt.at92,7%1,5 | Sehr Gut
3easybank91,6%1,6 | Gut