Autobahnraststätten-Ketten Test 2014

Autobahnraststätten-Ketten Test 2014

Ob Urlaubsfahrt oder Dienstreise: Wer längere Zeit auf der Autobahn unterwegs ist, sollte alle zwei Stunden eine Pause einlegen, da andernfalls Konzentration und Reaktionsvermögen merklich nachlassen. Doch was erwartet den Rastenden am Wegesrand? Die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien hat nun in Kooperation mit dem Wirtschaftsmagazin FORMAT sechs große Autobahnraststätten-Ketten genauer unter die Lupe genommen.

Folgende Anbieter wurden in die Tests eingeschlossen:

  • Autogrill
  • Landzeit
  • Marché
  • Oldtimer
  • Rosenberger
  • Servus Europa

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Autobahnraststätten in insgesamt sechs Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  • Außenanlagen: Waren die Außenanlagen sauber, gepflegt und behindertengerecht gestaltet? (10% des Gesamtwerts)
  • Familienfreundlichkeit: Gab es eigene Kinderbereiche, Kindergerichte und einen frei zugängigen Wickelraum? (15% des Gesamtwerts)
  • Sanitäranlagen: Gab es saubere Toiletten und ein behindertengerechtes WC? (15% des Gesamtwerts)
  • Gastronomie: War der Gastronomiebereich sauber und ansprechend gestaltet? Gab es ein umfangreiches Angebot und guten Service? Gab es frische und wohlschmeckende Speisen? (25% des Gesamtwerts)
  • Shops: War der Shopbereich sauber und ansprechend gestaltet? Gab es im Shopbereich ein umfangreiches Angebot und guten Service? (15% des Gesamtwerts)
  • Preise: Wie hoch sind die Preise? (20% des Gesamtwerts)

Jeder Anbieter wurde insgesamt sechs Mal mit verschiedenen Kundenwünschen getestet. Speziell qualifizierte, verdeckte Tester besuchten dazu im Rahmen von Mystery Checks Autobahnraststätten an unterschiedlichen Standorten im Land und füllten anschließend einen Fragebogen mit insgesamt je 87 Fragen aus.

Gepflegte, barrierefreie Außenanlagen, Sicherheit nicht immer gewährleistet

In puncto Außenanlagen haben die Raststätten-Ketten in vielen Bereichen mittlerweile ihre Hausaufgaben gemacht: Die Zufahrt zur Autobahnraststätte ist üblicherweise gut beschriftet, der Autofahrer findet sofort zum PKW-Parkplatz und zum Eingang der Raststätte, Parkplatz und Grünflächen wirken zumeist sauber und gepflegt. Auch sind die Raststätten behindertengerecht („barrierefrei“) gestaltet und bieten zudem alle, bis auf eine, speziell gekennzeichnete Behindertenparkplätze.

Wer jedoch im Außenbereich ein kleines Picknick veranstalten möchte, sucht oft vergeblich nach Tischen mit Sitzgelegenheiten: Nur bei 15 der 27 untersuchten Raststätten lässt sich dergestalt das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Weiterer Kritikpunkt: Auf dem Weg vom Fahrzeug zum Eingang ist die Sicherheit der Fußgänger leider nicht immer gewährleistet, da Zebrastreifen oder markierte Übergänge fehlen. Auch Frauenparkplätze sind (noch) eher die Ausnahme; es gibt sie nur bei jeder dritten Raststätte.

Die besten Außenanlagen im Test wurden Servus Europa attestiert. Rosenberger und Marché belegten die Plätze zwei und drei in dieser Teilkategorie.

Familienfreundlichkeit ausbaufähig

Überrascht waren die Tester, dass sich in puncto Kinderfreundlichkeit doch noch ein erheblicher Abstand zur Decke offenbarte: Wer mit Kindern im lauffähigen Alter unterwegs ist, die sich nach langer Fahrt auf einem Spielplatz gerne austoben würden, sucht bei mehr als einem Drittel der Raststätten vergeblich nach einem Spielplatz im Freien; auch im Innenbereich existieren in jeder dritten Raststätte keine eigenen Spielbereiche. Kinderstühle stehen in den Restaurants zwar meist zur freien Verfügung, spezielle Kindergerichte hingegen vermisst man aber in vier von zehn Fällen auf der Speisekarte.

Für Familien mit Wickelkindern ist jedoch gesorgt – in so gut wie jeder Raststätte befindet sich ein sauberer Wickeltisch bzw. Wickelraum, der einen Abfalleimer enthält und sowohl für Frauen als auch Männer frei zugänglich ist – nur wegwerfbare Wickeltisch-Auflagen vermisst man hier des Öfteren.

Die familienfreundlichsten Raststätten fanden die Tester bei Oldtimer vor, gefolgt von Marché und Rosenberger.

Saubere, behindertengerechte Sanitäranlagen

Neuralgischer Punkt aller Raststätten weltweit: Die Toiletten und Sanitäranlagen. Diese bewegten sich bei den untersuchten Raststätten jedoch auf einem akzeptablen Niveau – keine Raststätten-Kette wurde schlechter als befriedigend bewertet. Es gab überall ausreichend Toilettenpapier, Seife sowie Papierhandtücher bzw. einen funktionierenden Händetrockner. Behindertengerechte WC’s waren nahezu immer vorhanden, nur in Einzelfällen befanden sich diese nicht direkt in der Raststätte, sondern an der Tankstelle nebenan. Selbst den Wunsch nach einer erfrischenden Dusche kann man sich in den meisten Raststätten erfüllen.

Den ersten Platz in der Kategorie Sanitäranlagen konnte sich Marché sichern, denen diesbezüglich sogar ein „sehr gut“ bescheinigt wurde.

Gutes Erscheinungsbild & Service, Verbesserungsbedarf bei Speisenangebot

Die Restaurants überzeugten durchgehend mit gutem Erscheinungsbild: Hinsichtlich Sauberkeit der Innenräume und Buffetflächen gab es keinerlei Beanstandungen. Auch die Tische waren sauber und abgeräumt, nur Salz- und Pfefferstreuer waren nicht in jedem Fall vorhanden, auch Zucker bzw. Süßstoff standen nicht immer bereit.

Die Restaurant-Mitarbeiter zeichneten sich durch gutes Service aus. Sie nahmen die Bestellungen innerhalb kürzester Zeit entgegen und reagierten freundlich auf die Frage nach einem Glas Leitungswasser zum Kaffee, welches sie, bis auf einen einzigen Fall, auch servierten.

Auf der Speisekarte fand man stets mindestens ein warmes Fleischgericht, verschiedene Mehlspeisen sowie diverse Kaffee- und Teeangebote. In den meisten Fällen gab es auch verschiede Suppen, frische Salate und zumindest ein warmes vegetarisches Gericht. Nicht immer konnte man jedoch zwischen verschiedenen kalten Vorspeisen, warmen Nachspeisen, Eisbechern oder frisch gepressten Obst- und Gemüsesäften wählen.

Was die Speisen selbst betrifft, zeigte sich hier vereinzelt Verbesserungsbedarf bei der Präsentation und vor allem Zubereitung derselben: Teilweise wirkten die dargebotenen Speisen nicht frisch, sondern „warmgehalten“, was sich beim Verzehr meist bestätigte. In einzelnen Fällen schmeckten die Gerichte abgestanden und fad und waren nur lauwarm. Die Getränke hingegen – ob kalt oder warm – hatten stets die richtige Temperatur.

Die besten gastronomischen Lösungen fanden die Tester bei Oldtimer vor, Platz zwei und drei nahmen Rosenberger und Marché ein.

Shops mit Lücken im Angebot

Die Shops punkteten zwar mit sehr ordentlicher und ansprechender Präsentation ihrer Waren, die Produktauswahl ließ hingegen einige Wünsche offen. Noch gut bedient sind die Reisenden, die ihren Lieben kleine Geschenke, Souvenirs oder Kinderspielzeug mitbringen möchten – sie werden nahezu immer fündig. Auf der Suche nach Lesestoff (Zeitungen/Zeitschriften/Bücher) jedoch wird man bereits in jedem fünften Shop enttäuscht. Wer für die Fahrt Reiseproviant oder frisches Obst erwerben möchte, sucht in jeder vierten Raststätte vergeblich. Artikel des täglichen Bedarfs wie Zahnpasta oder Babywindeln sind schließlich nur noch in knapp mehr als der Hälfte bzw. in rund einem Drittel der Shops erhältlich.

Aber: Die Mitarbeiter in den Shops waren durchwegs freundlich, wenn sie auch nicht in jedem Fall von sich aus eine Rechnung überreichten bzw. nach dem Bedarf einer solchen fragten. Verschiedene Bezahlmöglichkeiten – bar, Bankomat oder Kreditkarte – sind mittlerweile fast in jedem Shop Standard.

Die Shops von Servus Europa wurden am besten bewertet, gefolgt von Oldtimer und Marché.

Erhebliche Schwankungen bei den Preisen

Starke Unterschiede zeigten sich im Preisniveau der Restaurants. So kostete z.B. ein Wiener Schnitzel mit Beilage zwischen 8,59 € und stolzen 23,55 €. Den günstigsten Cappuccino tranken die Tester für 2,50 €, im teuersten Fall mussten sie für das gleiche Heißgetränk hingegen 4,80 € zahlen. Somit kann man an der günstigsten Raststätte – im Vergleich zur teuersten – zwischen fast der Hälfte bis zu knapp zwei Drittel der Kosten sparen.

Ein ähnliches Bild in den Shops: Die Preise für eine Packung Pringles Original (190 g) schwankten zwischen 4,80 € und 5,89 €. Eine Flasche Coca-Cola (0,5 Liter) kostete zwischen 1,90 € und 3,60 €.

Die WC-Nutzung ist zwar nur in 44% der Raststätten gratis, dafür kann der bezahlte Betrag (einheitlich 50 Cent) mittels Gutschein in neun von zehn Shops wieder eingelöst werden.

Wichtig zu wissen: Selbst innerhalb der einzelnen Autobahnraststätten-Ketten variieren die Preise zum Teil von Standort zu Standort. Die besten Preise im Durchschnitt boten die Oldtimer-Raststätten in ihren Restaurants, in den Shops überzeugte Marché mit den besten Preisen.

Oldtimer Gesamtsieger der Studie, gefolgt von Servus Europa und Marché

Die Oldtimer-Autobahnraststätten konnten mit dem besten Gesamtergebnis überzeugen und wurden Testsieger mit der Note 1,7 („gut“), gefolgt von Servus Europa und Marché, die jeweils die Note 2,0 („gut“) erhielten. Oldtimer punktete dabei mit den besten Bewertungen hinsichtlich Gastronomie, Familienfreundlichkeit und Preisen. Servus Europa überzeugte mit den besten Außenanlagen und Shops. Marché wiederum wies die besten Sanitäranlagen auf sowie gute Leistungen in allen weiteren Kategorien.

Die ausführlichen Ergebnisse des Tests sind gegen eine Schutzgebühr von 1.250 EUR zzgl. USt. bei der ÖGVS (info@qualitaetstest.at) erhältlich.