Online-Broker: Test von Konditionen, Angebot und Service 2015

Online-Broker: Test von Konditionen, Angebot und Service 2015

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen nimmt das Interesse am Wertpapierhandel stetig zu. Wer selbst über ausreichendes Knowhow verfügt, handelt heutzutage von zu Hause aus über einen der immer zahlreicher werdenden Online-Broker, die mit günstigen Preisen und schnellem, direkten Handel werben. Welcher Onlinebroker die beste Mischung aus Konditionen, Angebot und Service bietet, hat die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien mbH jetzt in Kooperation mit dem Wirtschaftsmagazin FORMAT untersucht.

Folgende acht Online-Broker wurden in die Tests eingeschlossen:

  • bankdirekt.at AG
  • boerse-live.at
  • Brokerjet
  • DEGIRO
  • direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!)
  • easybank AG
  • flatex
  • Generali Bank AG.

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Broker in den folgenden fünf Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  1. Konditionen: Wie viel kostet die Depotführung? Wie hoch sind die Gebühren beim Kauf von Werten im In- und Ausland und welche Ausgabeaufschläge beim Fondskauf über die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) müssen bezahlt werden? Was kostet die Nutzung spezieller Realtimekurse? (30% des Gesamtwertes)
  2. Angebotsvielfalt: Welche Produkte können an welchen Börsenplätzen gehandelt werden? (15% des Gesamtgewichts)
  3. Komfort: Welche Informationen und Trading-Möglichkeiten bieten Website und Software? Welche Möglichkeiten für mobiles Handeln werden geboten? (15% des Gesamtgewichts)
  4. Transparenz: Sind die wichtigsten Kosten und Bedingungen klar ersichtlich? (20% des Gesamtgewichts)
  5. Kundendienst: Wie gut ist der Anbieter für den Kunden erreichbar? Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt? Ist die Beratung umfassend und kompetent? (20% des Gesamtgewichts)

Die Leistungen in den Kategorien Konditionen, Angebotsvielfalt sowie Komfort und Transparenz wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 10-mal per Email und 5-mal telefonisch getestet.

Großes Einsparpotential bei Depot- und Ordergebühren

Wer auf der Suche nach dem günstigsten Anbieter ist, kommt nicht umhin, sich im Vorfeld Gedanken über sein eigenes Anlageverhalten zu machen. So sollten Anleger, die nur wenige Positionen im Depot haben und diese lange halten, v.a. auf die Depotgebühren achten. Diese betrugen bei den getesteten Online-Brokern für einen beispielhaften Bestand von vier Positionen mit einem Gesamtwert von 20.000 € zwischen 0 € und 60 € im Jahr. Konkret boten drei der Anbieter (Brokerjet, DEGIRO und flatex) ihr Depot kostenfrei an, bei allen anderen muss in Abhängigkeit vom Depotwert gezahlt werden.

Wer häufig seine Positionen wechselt und z.B. in regelmäßigen Abständen Aktien kauft und verkauft, sollte sein Hauptaugenmerk hingegen auf die Ordergebühren richten. Hierbei zeigten sich teils erhebliche Unterschiede. So zahlt man beim günstigsten Anbieter DEGIRO z.B. für eine Aktienorder im Wert von 5.000 € an der Wiener Börse nur 3 € an Gebühren, beim teuersten Anbieter im Test, der Generali Bank AG, hingegen mehr als das Siebenfache, d.h. 22,54 €. Bei Käufen an ausländischen Börsenplätzen und mit höheren Volumina werden diese Unterschiede noch deutlicher. So reichte die Orderprovision für ein Investment im Wert von beispielsweise 25.000 € an der New Yorker NYSE von 1,75 € (DEGIRO) bis hin zu 62,50 € (Generali Bank AG).

Auch beim Kauf von Aktienfonds zeigten sich Unterschiede in den Konditionen. So gewähren einige Broker auf eine sehr große Auswahl an Aktienfonds 50% Rabatt, auf Fonds weniger ausgewählter Fondsgesellschaften oder bei hohen Ordervolumina gerne auch mal mehr. Bei anderen Anbietern kann es hingegen passieren, dass man den vollen, originären Aufschlag der Fondsgesellschaft zahlen muss. Wer viel kurzfristig handelt und auf aktuelle Kurse angewiesen ist, sollte auch die Kosten für Realtimekurse verschiedener Börsenplätze im Auge haben. Diese werden von sechs der acht untersuchten Anbieter generell angeboten und variieren im Preis z.B. zwischen 9,90 € und 35 € im Monat für die Kurse der XETRA Frankfurt. Echtzeitkurse der Wiener Börse werden teils sogar kostenlos angeboten (Brokerjet, DEGIRO und direktanlage.at (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!)), bei anderen zahlt man hierfür bis zu 14,20 € monatlich (flatex). Die günstigsten Konditionen in Summe bot DEGIRO.

Teils Einschränkungen bei Angebotsvielfalt und Trading-Komfort

In der Kategorie Angebotsvielfalt wurde v.a. bewertet, welche Produkte an welchen Börsenplätzen gehandelt werden können. Während Aktien, Fonds, Anleihen, Optionsscheine, ETFs und Zertifikate über fast jeden Broker handelbar sind, unterscheidet sich die Angebotsbreite bei etwas „exotischeren“ Anlageformen wie Optionen, Futures, CFDs und Währungen stark. Auch das Angebot an Sparplänen ist bei einigen Onlinebrokern stark eingeschränkt: Die bankdirekt.at AG, die easybank AG, flatex und die Generali Bank AG stellen beispielsweise nur jeweils einen Sparplan mit Fonds zur Verfügung, bei DEGIRO fehlt diese Art der Anlage gänzlich. Auch die Möglichkeit, an internationalen Handelsplätzen zu investieren, ist nicht bei allen Onlinebrokern gegeben: Bei Brokerjet und der easybank AG sind beispielsweise nur Orders an nationalen und europäischen Börsenplätzen möglich. Die direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!) punktete letztlich mit der größten Angebotsvielfalt.

Erstaunt waren die Tester, dass nur die Hälfte der untersuchten Anbieter mit einer geeigneten App oder mobilen Website aufwarten, die die Möglichkeit bietet, vom Smartphone oder Tablet aus auf das Depot zugreifen und handeln zu können. Und auch hinsichtlich der Trading-Optionen in Webmaske und Software offenbarten einige Broker Schwächen: Teils waren weder grundlegende Chartanalysen, noch die allgemein üblichen Stop-Buy-Orderzusätze möglich. Wer auf solche Aspekte bei der Auswahl seines Brokers Wert legt, hat jedoch nur bei drei der getesteten Anbieter die Möglichkeit, dies vorab in einem Demoportal einmal zu testen. Bei drei weiteren Dienstleistern stehen immerhin Videotutorials oder Slideshows mit praktischen Veranschaulichungen des Online-Bankings bzw. der Trading-Software zur Verfügung. Den besten Komfort mit umfangreichen Trading-Möglichkeiten auch über Apps und eine mobile Website bot die direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!).

Die für den Kunden transparente Darstellung von Kosten und Vertragsbedingungen stand ebenfalls im Fokus der Tester. Positiv wurde gewertet, dass bei fast allen Onlinebrokern die wichtigsten Konditionen wie Depotführungsgebühren oder nationale Ordergebühren für die handelbaren Wertpapiere ohne Studium des Preis- und Leistungsverzeichnisses ersichtlich sind. Bezüglich des Handels an ausländischen Börsenplätzen oder bei der Suche nach Kosten für Realtimekurse oder Ausgabeaufschläge musste allerdings häufiger das „Kleingedruckte“ konsultiert werden. Mit der besten Transparenz im Test konnte die direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!) überzeugen.

Kundendienst konnte oft überzeugen

Da das Vier-Augen-Gespräch mit dem persönlichen Anlageberater im Geschäftsmodell der Onlinebroker nicht vorgesehen ist, kommt dem Kundendienst eine zentrale Rolle zu. Dieser wurde im Test mit Anfragen zu Themen wie Konditionen, speziellen Orderfunktionen, Wertpapierarten, Depotwechsel und Steuern auf die Probe gestellt. Der telefonische Kundendienst konnte meist überzeugen: Das Gros der Anbieter war werktags zwischen 10 und 15 Stunden erreichbar, einige sogar am Wochenende. Die Mitarbeiter präsentierten sich meist freundlich und kompetent. Allerdings fielen die Antworten des Öfteren recht knapp aus und hätten ein wenig ausführlicher erläutert sein können, damit auch Laien alle nötigen Informationen erhalten.

Auf Anfragen per Email bekamen die Tester stets eine Antwort, in 94% der Tests sogar innerhalb von 24 Stunden. Auch hier waren die Antworten meist freundlich und größtenteils korrekt, jedoch war auch hier wieder der Umfang bei knapp der Hälfte der Mails zu bemängeln. Stattdessen enthielten viele Antworten überflüssige Standardtextbausteine, die mit dem Anfragethema, wenn überhaupt, eher zufällig zu tun hatten. Den Sieg in der Teilkategorie Kundendienst konnte sich die bankdirekt.at AG sichern.

direktanlage.at / Hello bank! Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von Brokerjet und flatex

Die direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!) erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von Brokerjet und flatex. Die direktanlage.at AG (heißt seit 20.07.2015 Hello bank!) konnte mit Bestwerten bei Angebotsvielfalt, Komfort und Transparenz sowie guten Konditionen punkten. Wer Wert auf vielfältige Möglichkeiten legt, der ist hier definitiv gut aufgehoben. Wem stattdessen ausschließlich günstige Preise im Aktienhandel wichtig sind, der sei an DEGIRO verwiesen. Hier konnten die Tester die mit Abstand günstigsten Ordergebühren beobachten. Allerdings muss man als Kunde bei DEGIRO Abstriche in Sachen Komfort und Angebotsvielfalt machen. Ein außerbörslicher Handel ist z.B. nicht möglich. Zudem ist DEGIRO der einzige Anbieter im Feld, der das Abführen der Kapitalertragsteuer dem Kunden überlässt, dies also nicht wie alle anderen automatisch miterledigt.

Die ausführlichen Ergebnisse des Tests sind gegen eine Schutzgebühr von 1.490 EUR zzgl. USt. bei der ÖGVS (info@qualitaetstest.at) erhältlich.