Kompaktkameras: Test von sieben Modellen bis 300 Euro / 2015

Kompaktkameras: Test von sieben Modellen bis 300 Euro / 2015

Für Schnappschüsse und Selfies reicht den meisten das Smartphone. Geht es jedoch um Urlaubserinnerungen und Fotos fürs Album, ist bei schmalerem Geldbeutel, der die Anschaffung einer professionellen Bridge- oder Spiegelreflexkameras scheut, die Kompaktkamera nach wie vor die beste Wahl. Die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien hat nun in Kooperation mit „E-MEDIA – Österreichs Magazin für die digitale Zukunft“ sieben aktuelle Modelle der größten Hersteller ganz genau unter die Lupe genommen.

Untersucht wurden folgende Modelle im Preisbereich bis 300 Euro:

  • Canon PowerShot S120
  • Canon PowerShot SX710 HS
  • Nikon Coolpix S3700
  • Nikon Coolpix S6900
  • Olympus Stylus SH-2
  • Panasonic LUMIX DMC-TZ58
  • Sony DSC-WX350.

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Kamera-Modelle in den folgenden beiden Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  1. Foto- und Videoqualität. Wie ist die Qualität von Foto- und Videoaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und mit Einstellungen? (78% des Gesamtwertes)
  2. Handhabung & Preis: Wie einfach ist die Bedienung? Welche manuellen Einstellmöglichkeiten gibt es? Wie sind Kompaktheit, Geschwindigkeit, Display und Akkulaufzeit zu beurteilen? Welche Extras hat die Kamera? Wie hoch ist der Preis? (22% des Gesamtwertes)

Zusätzlich zur Gesamtwertung wurde in einer Zusatzauswertung die Kompaktkamera mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bestimmt. Dafür wurden die Leistungsmerkmale (alle Kriterien mit Ausnahme des Preises) ins Verhältnis zum Preis gesetzt. Beide Aspekte gingen also mit exakt gleicher Gewichtung ein.

Canon PowerShot SX710 HS ist Testsieger, Canon PowerShot S120 folgt dicht dahinter

Keine Kamera im Preissegment bis 300 Euro konnte wirklich in allen Kriterien mit Topwerten glänzen. Dies ist bei solch einem Budget aber unrealistisch. Als bestes Allround-Talent konnte die Tester aber schließlich die Canon PowerShot SX710 HS überzeugen. Mit ihrem 30-fachen optischen Zoom holt sie entfernte Motive näher an die Linse als alle anderen Kameras im Test. Der Bildstabilisator gibt zwar Unterstützung, ein ruhiges Händchen sollte man aber dennoch besitzen. Tagsüber liefert die SX710 HS die besten Fotos mit den meisten Details. Bei wenig Licht sind die Ergebnisse jedoch nur durchschnittlich, außerdem tut sich die Kamera dabei mit dem Fokussieren schwer. Im manuellen Modus lässt sich deutlich mehr aus nächtlichen Aufnahmen herausholen als im Automatikmodus. Sehr gut ist außerdem der helle und scharfe Bildschirm.

Dicht gefolgt auf Platz 2 landete ihre Schwester, die Canon S120. Mit „nur“ 12 Megapixeln schießt sie tagsüber nicht ganz so detaillierte Fotos wie die SX710 HS, setzt sich dafür aber bei schlechten Lichtverhältnissen an die Spitze des Testfelds. Hauptverantwortlich dafür ist der Sensor, der mit 1/1,7 Zoll etwas größer ist als bei den restlichen Modellen. Auch die S120 braucht nachts Zeit, um den richtigen Fokus zu treffen. Dank ihres Objektivrings lassen sich Einstellungen im manuellen Modus komfortabler ändern als bei den anderen Kameras. Das Gehäuse ist angenehm kompakt, dafür bekommt man nur einen 5-fachen optischen Zoom.

Nikon Coolpix S3700 bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis

Erwähnen sollte man auch noch die Nikon S3700. Auch wenn sie ganz hinten im Testfeld gelandet ist, produziert sie bessere Bilder, als man es bei ihrer Größe und vor allem zu dem Preis (114 Euro) erwarten würde. Keine Kamera im Test ist kleiner oder günstiger – die Coolpix S3700 ist ein Schnäppchen und lässt sich besonders einfach in der Tasche unterbringen. Im Betrieb ist sie die langsamste Kamera und benötigt nach dem Einschalten am längsten, bis man das erste Foto schießen kann. Auch der Bildschirm überzeugt nicht: Er ist klein und niedrig aufgelöst, wodurch man schwer einschätzen kann, worauf genau die Kamera scharf gestellt hat. Trotz allem ist die Fotoqualität gut. Wer „nur“ nette Schnappschüsse machen möchte, wird zufrieden mit der S3700 sein.

Gute Noten auch für die Nikon Coolpix S6900 und die Sony DSC-WX350

Der dritte Platz ging an die Nikon Coolpix S6900. Sie sammelte durch den flexiblen Bildschirm einige Pluspunkte. Dadurch und dank ausklappbarem Standfuß und Auslöser auf der Vorderseite macht sie bessere Selfies als jede andere der sieben Kameras. Auch sonst ist die S6900 keine schlechte Digicam. Tagsüber macht sie durchschnittlich gute Fotos, bei wenig Licht sogar bessere als die restlichen Geräte im Automatikmodus – die Canon S120 ausgenommen. Ähnlich wie die S3700 bietet auch die S6900 keinen manuellen Modus  und schießt nur im Motivautomatikmodus extreme Nahaufnahmen. Störend ist, dass sich die WLAN-Taste direkt neben der Ein/Aus-Taste befindet und man somit ohne genaueres Hinsehen oft mal den falschen Knopf erwischt.

Ebenfalls gut bewertet wurde die Sony DSC-WX350. Hier hat es Sony geschafft, besonders viel Zoom in wenig Gehäuse zu verpacken. Trotz der 20-fachen Vergrößerung ist die Kamera eine der kleinsten im Test. Der Bildschirm ist unter Sonnenlicht etwas zu dunkel, über das Menü lässt sich die Helligkeit jedoch erhöhen. Qualitativ liefert die Kamera gute Fotos ab, die vor allem mit einer hohen Schärfe und vielen Details überzeugen können – solange man nicht zoomt und genug Licht vorhanden ist. Unter schlechten Lichtbedingungen tut sich die DSC-WX350 hingegen schwer. Videos liefert sie, ähnlich wie die Canon S120 und die Panasonic DMC-TZ58, in guter Qualität ab.

Nur befriedigende Noten für die Panasonic LUMIX DMC-TZ58 und die Olympus Stylus SH-2

Neben der Nikon S6900 eignet sich die Panasonic DMCTZ58 am besten für Selfies. Grund: Der Bildschirm lässt sich um 180 Grad nach oben klappen. Im Automatikmodus schießt die DMC-TZ58 selbstständig HDR-Bilder, sofern hohe Helligkeitsunterschiede erkannt werden. Leider kann man in diesem Modus den Digitalzoom nicht abschalten. Außerdem stört die direkt neben der Ein/Ausschalt-Taste angebrachte WiFi-Taste – oft erwischt man die falsche. Von der Bildqualität her liefert die Kamera bei genug Licht brauchbare, bei wenig Licht jedoch nur schlechte Ergebnisse. Ein manueller Modus ist zwar vorhanden, allzu viel lässt sich damit aber nicht herausholen. Die Full HD-Videoqualität ist dafür gut.

Die Olympus Stylus SH-2 beeindruckt zunächst durch ihren Retro-Look und die hochwertige Verarbeitung. Sie ist jedoch neben der Canon SX710 HS die größte und schwerste der getesteten Kameras. Und bei der eigentlichen Bildqualität, dem wichtigsten Kriterium für eine Kompaktkamera, landet die SH-2 nur auf den hinteren Rängen. Sowohl Fotos als auch Videos sind nur Durchschnitt. Eine Stärke ist ihr guter Bildstabilisator. Mit ihrem 24-fach-Zoom bietet sie die zweitgrößte Vergrößerung im Test, dennoch ist es kein Problem, verwacklungsfreie Fotos zu knipsen. Der Autofokus arbeitet schnell, und das selbst bei schwachem Licht.