Test von Rechtsschutzversicherern: Wer überzeugt hinsichtlich Tarife und Servicequalität?

Test von Rechtsschutzversicherern: Wer überzeugt hinsichtlich Tarife und Servicequalität?

Wer seine eigenen Rechte durchsetzen möchte, muss häufig tief in die Tasche greifen. Wenn ein Streit mit den Nachbarn oder dem Arbeitgeber vor Gericht landet und Rechtsanwälte ins Spiel kommen, können hohe Kosten entstehen. Um sich vor horrenden Rechtskosten zu schützen, empfiehlt sich der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Doch welcher der zahlreichen Versicherer die besten Leistungen zu angemessenen Jahresprämien bietet und wer zusätzlich mit Transparenz und einem kompetenten Kundenservice überzeugt, hat die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien nun in Kooperation mit dem Magazin trend und dem Tarifvergleichsportal durchblicker.at näher untersucht.

Die folgenden 15 Versicherer wurden in die Tests eingeschlossen:

  • ARAG
  • D.A.S. Rechtsschutz
  • Grazer Wechselseitige
  • HDI
  • Helvetia
  • Kärntner Landesversicherung
  • Merkur
  • ÖAMTC
  • Oberösterreichische Versicherung
  • ROLAND Rechtsschutz
  • UNIQA
  • VAV
  • Wüstenrot
  • Zurich
  • Zurich Connect

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Versicherer in den folgenden drei Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  1. Tarife: Wie hoch sind die jährlichen Beiträge der untersuchten Tarife? Welche Konditionen und Leistungen beinhalten die untersuchten Tarife? (60% des Gesamtwertes)
  2. Transparenz & Komfort: Sind die wichtigsten Versicherungs- und Vertragsbedingungen klar ersichtlich? Wie komfortabel ist die Website gestaltet? (20% des Gesamtwertes)
  3. Kundendienst: Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt sowie umfassend und kompetent beraten? (20% des Gesamtwertes)

Die Leistungen in den Kategorien Tarife sowie Transparenz & Komfort wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 5-mal telefonisch getestet.

Einsparungen von bis 75% durch Anbieterwechsel möglich

Zur Analyse der Tarife wurden sowohl die Prämien als auch die Versicherungsleistungen genauer betrachtet. Dazu wurden die Beiträge für eine KFZ-Rechtsschutzversicherung (Single, 1 KFZ) sowie für eine Privatrechtsschutzversicherung (Paar mit zwei Kindern) jeweils mit und ohne Selbstbehalt bei den Versicherern angefragt. Diese wurden in Relation zu den entsprechenden Tarifleistungen wie z.B. der Versicherungssumme oder den versicherten Fällen gesetzt.

Das Resultat: Deutliche Unterschiede in den Beitragshöhen der Versicherer. Durch Wechsel in den günstigsten Tarif lassen sich bei der Privatrechtsschutzversicherung bis zu 74%, bei der KFZ-Rechtschutzversicherung bis zu 75% sparen.

Ein Blick auf das Leistungsspektrum empfiehlt sich in jedem Fall

Wer sich für einen neuen, günstigeren Tarif entscheidet, sollte allerdings auch beachten, welche Leistungen damit verbunden sind. Denn auch wenn nicht alle günstigen Tarife automatisch mit einem geringeren Leistungsspektrum verbunden waren, wurden oft nicht alle Eventualitäten abgedeckt. So fehlte z.B. bei der KFZ-Rechtsschutzversicherung in einigen Tarifen der sogenannte Lenker-Rechtsschutz, der Schutz beim Fahren fremder Fahrzeuge bietet. Unterschiede fanden sich auch in der Versicherungssumme: Während einige Versicherungen hier Kosten von bis zu 275.000 Euro ersetzten, zahlten andere nur maximal 100.000 Euro.

Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich auch beim Privatrechtsschutz. Die Kosten für eine Mediation, also eine außergerichtliche Schlichtung durch einen Mediator, bspw. wurden nur von zehn der 15 Assekuranzen übernommen. Die Versicherungssummen für die Privatrechtsschutz-Tarife variierten zwischen 80.000 Euro und 275.000 Euro.

Wer also Wert auf einen umfassenden Schutz legt, sollte nicht nur nach dem Preis schauen. Bei vielen Versicherern gab es zudem nicht nur vorgefertigte Tarifpakete, stattdessen konnte die Versicherung mitunter im Baukastenprinzip aus einer Vielzahl an Zusatzpaketen je nach individuellem Bedarf zusammengestellt werden.

Die besten Tarife mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis fanden die Tester bei der Zurich Connect gefolgt von der Zurich und der Wüstenrot.

Deutliche Unterschiede bei Transparenz und Komfortabilität der Website

In der Kategorie Transparenz & Komfort wurde v.a. erfasst, wie übersichtlich die zentralen Versicherungsbedingungen sowie die Prämien bereits auf den Webseiten der Versicherer aufgeführt waren bzw. ob sie sich überhaupt dort wiederfanden. Wie auch schon die Erfahrung bei anderen ÖGVS-Versicherungstests z.B. zum Thema KFZ- oder Haushaltsversicherer zeigte, boten die Webseiten der Unternehmen häufig leider nur recht spärliche Informationen an. So stellten beispielsweise nur neun der 15 getesteten Versicherer online einen Rechner zur Ermittlung der individuellen Rechtsschutz-Prämie zur Verfügung.

Mängel auch bei der Transparenz der mit den Prämien verbundenen Leistungen: Die detaillierten Versicherungsbedingungen zu den angebotenen Rechtsschutz-Tarifen fanden sich ebenfalls nur bei gut der Hälfte der Anbieter verlinkt. Positiv fiel hingegen auf, dass nahezu alle Anbieter die in ihren Rechtsschutzversicherungen enthaltenen Leistungen auch ausführlich aufführten und v.a. verständlich anhand von Beispielen erklärten. Letzteres ist gerade für juristische Laien wichtig, um z.B. beurteilen zu können, ob ein Fahrzeugvertragsrechtsschutz und ein Lenkerrechtsschutz reichen – oder ob auch noch ein Lenkervertragsrechtsschutz benötigt wird.

Führend im Bereich Transparenz & Komfort zeigte sich die Zurich Connect. Auf den Plätzen zwei und drei landeten die ARAG und die VAV.

Defizite bei der Kompetenz des Kundendienstes

Schließlich wurde noch der Kundendienst per Telefon bezüglich Erreichbarkeit, Freundlichkeit und Kompetenz getestet. Dazu wurden telefonisch zu Tarifwahl, rechtlichen Belangen oder Leistungsumfang gestellt. Mängel zeigten sich hier v.a. im Bereich der Kompetenz der Kundendienst-Mitarbeiter: Nachdem immerhin in 95% der Fälle spätestens beim zweiten Anruf-Versuch ein Mitarbeiter erreicht werden konnte, gaben die Gesprächspartner nicht immer eine Antwort auf die gestellte Frage. Bei Erhalt einer eindeutigen Antwort war diese zwar meistens korrekt, fiel allerdings häufig nur sehr knapp und wenig ausführlich aus.

Den besten Kundendienst erfuhren die Tester bei der UNIQA. Aber auch ROLAND Rechtsschutz und die HDI auf den Plätzen zwei und drei agierten überdurchschnittlich in dieser Teilkategorie.

Zurich Connect Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von der Zurich und der ARAG

Die Zurich Connect erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der Zurich und der ARAG. Die Zurich Connect als Testsieger überzeugte dabei v.a. mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis aller untersuchten Tarife sowie der höchsten Transparenz und dem komfortabelsten Webauftritt. Die Zurich punktete mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Die ARAG zeigte sehr gute Leistungen im Bereich Transparenz & Komfort und erzielte eine TOP-Platzierung bei den Tarifen.

Ergebnisse einzelne Teilkategorien

Die Ergebnisse der einzelnen Testkategorien des Tests finden Sie hier. Es werden jeweils die Top-5 Anbieter in der jeweiligen Testkategorie aufgezeigt.

Tarife

  Anbieter Zielerreichung Info
1 Zurich Connect 81% 2,3 | Gut
2 Zurich 81% 2,3 | Gut
3 Wüstenrot 77% 2,5 | Befriedigend
4 ARAG 77% 2,5 | Befriedigend
5 Helvetia 76% 2,6 | Befriedigend

Transparenz & Komfort

  Anbieter Zielerreichung Info
1 Zurich Connect 100% 1,0 | Sehr gut
2 ARAG 97% 1,2 | Sehr gut
3 VAV 96% 1,3 | Sehr gut
4 UNIQA 90% 1,7 | Gut
5 D.A.S. Rechtsschutz 88% 1,8 | Gut

Kundendienst

  Anbieter Zielerreichung Info
1 UNIQA 91% 1,6 | Gut
2 ROLAND Rechtsschutz 89% 1,7 | Gut
3 HDI 86% 1,9 | Gut
4 Helvetia 84% 2,1 | Gut
5 ÖAMTC 82% 2,2 | Gut